Neujahr in der Zentralkalahari (CKGR)

01/05/2023

Unser Grenzübertritt bei Victoria Falls ging schnell und einfach vonstatten. Wir blieben noch eine Nacht in Kasane und füllten unsere Vorräte wieder auf. Dort trafen wir andere Reisende wieder, die wir aus Simbabwe und Sambia kannten und am nächsten Morgen machten wir uns auf, die über 700 km lange Strecke zum CKGR in Angriff zu nehmen. Nach einer Zwischenübernachtung bei Planet Baobab, in der Nähe von Gweta, erreichten wir das Matswere Gate am 30. Dezember zur Mittagszeit. Nach etwa 45 Minuten hatten wir die Buchungen erledigt und wussten, auf welcher Campsite wir die nächsten fünf Nächte verbringen würden. Der Park war – zumindest in der Theorie – stärker gebucht als gedacht. Unsere Lieblingsregion – Lekhubu und Letihau – war für zwei Nächte frei und damit für uns ein Erfolg, wohingegen die preiswerten und staatlichen Kori-Campsites unweit des DeceptionValley über die gesamte Zeit gebucht waren. 

Doppelbuchung 

Der Mitarbeiter am Gate hatte seine liebe Mühe, für uns einen Platz für den 30. und 31. Dezember zu finden. Das Büro in Gaborone erteilte ihm telefonisch eine Absage nach der anderen und so langsam gingen uns die (günstigen staatlichen) Möglichkeiten aus. Die Alternative würde bei einer Absage nur noch Bigfoot lauten. Das Unternehmen vermarktet im Grossteil des CKGR die Campsites auf eigene Rechnung. Die Übernachtungspreise liegen knapp 900 % über den Preisen der staatlichen Campsites (40 Pula pro Person und Nacht zu 357 Pula pro Person und Nacht) und bieten dafür nicht einmal eine Infrastruktur. 

Es ist einfach eine Fläche im Busch, die als Campsite ausgewiesen ist. Als Normalbürger kommt man leider an Bigfoot nicht vorbei, wenn man den Park erkunden möchte. Die staatlichen Camps sind sehr begrenzt und beschränken sich auf den Bereich des Deception Valley. Nach einiger Suche bot uns der Mitarbeiter die Campsite Kukama an. Diese liegt knapp 13 km vor dem Deception Valley an einer offenen Pfanne und entpuppte sich als sehr attraktiv. Wir staunten nicht schlecht, als wir feststellten, dass dort bereits eine Familie ansässig war. Es schien so, als hätte es für eine Nacht eine Doppelbuchung gegeben. Glücklicherweise war diese Familie nett und freundlich und so stellten wir uns etwas abseits und verbrachten die Nacht alle gemeinsam dort.

Während dieser zwei Tage in Kukama erkundeten wir das Deception Valley mit all seinen Loops und kleineren Wegen und entdeckten einen Bau von Löffelhunden im Dickicht. Wir sind vollkommen verliebt in diese knuddeligen kleinen Kerle. Sie waren sehr zutraulich und liessen sich nicht durch uns stören, als wir für etwa eine Stunde in einiger Entfernung vor ihrem Bau standen und ihnen zuschauten. 

Silvester ertrinkt traditionell bei uns in Botswana

Am Silvestertag waren wir alleine auf der Campsite und  – wie konnte es anders sein – pünktlich am späten Nachmittag begann es wie aus Kübeln zu schütten. Das Wasser floss in Strömen um uns und den Camper herum, flutete unseren Sitzbereich und zwang uns einige Meter umzuziehen. Wir kannten das Phänomen bereits aus Savuti 2018, wo es am Silvesterabend derart schüttete, dass wir irgendwann aufgaben und schlafen gingen. Guido freute sich über ein fruchtbares 2023 – Wasser ist immerhin der Quell allen Lebens – und wir liessen uns den Spass nicht verderben und genossen ein Schweizer Raclette mit einem guten Weisswein, den wir extra für den Anlass wochenlang durch die Lande gefahren hatten. Am späteren Abend konnten wir sogar noch ein Lagerfeuer entzünden und trockenen Fusses schlafen gehen.

Schwimmend in Richtung Letihau

An Neujahr machten wir uns auf in Richtung Letihau. Diese Region ist berühmt für ihre Löwen- und Gepardensichtungen und auch wir waren hier 2019 sehr erfolgreich. Wir waren gespannt, was uns erwarten würde. Die Fahrt entpuppte sich als Abenteuerfahrt, da es häufiger als erwartet schwere Überschwemmungen gegeben hatte und das Auto teils unkontrollierbar im klebrigen, matschigen Untergrund schwamm und sich unlenkbar drehte. Dieser sogenannte Black Cotton Soil ist wirklich ekelhaft und wir erinnerten uns ungern an 2019, als wir – exakt wegen dieses Untergrundes – 90 Minuten das Auto freischaufeln mussten, um uns aus einer misslichen Lage in der Piper Pan zu befreien. Nach etwa 2 Stunden kamen wir ohne Vorkommnisse glücklich in Letihau an, bezogen die Campsite und richteten uns ein. Der Game-Drive am Abend sorgte für Ernüchterung, da das hiesige Wasserloch fast vollständig verschlammt war. Das waren keine guten Voraussetzungen.

Wir lieben den Busch

Trotz aller Unwägbarkeiten genossen wir das Umfeld in vollen Zügen und fühlten uns wohl. Am nächsten Morgen ging der Wecker um 4.00 Uhr und nach einem Kaffee und einem gemütlichen Aufwachprozess, fuhren wir gegen 5.00 Uhr im Dunkel los, um pünktlich zum Sonnenaufgang am Wasserloch zu sein. Es war einfach wunderschön, im Dunkel diesem breiten Band aus orangem Horizont entgegenzufahren, dabei frische Luft zu atmen, Vögel zu hören und eine unendliche Weite zu geniessen. Für uns ist dies ein Ausdruck von Freiheit und Leben. Es ist schwierig, zu beschreiben, was dabei in uns vorgeht. Wie auch immer: wir geniessen das, wann immer möglich, in vollen Zügen.

Es ist ruhig

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Game-Drives. Beim Ersten folgst du bewusst einer Spur. Du trackst ein Tier, hast Fähigkeiten, die Spuren zu lesen und verfolgst diese Spur, bis du das Tier – im besten Fall – gefunden hast. Bei der zweiten Art fährst du umher, schaust aufmerksam links und rechts, und benötigst den richtigen Moment für ein Zusammentreffen. In Nationalparks auf üblichen Game-Drives überwiegt Vorgehen Nummer 2. Wir haben zu oft erlebt, dass wir etwas gesehen haben, bspw. im KTP eine Leopardin, und eine Minute(!) später kommt ein Guide mit Gästen und die Sichtung ist Geschichte. Timing und Glück ist also meistens notwendig. Dieses Glück war nicht mit uns. Es war sehr ruhig in dieser Region und obwohl wir alles gaben, was unsere Kenntnisse hergaben, blieb es ruhig und unser Highlight bestand in der Sichtung eines Elefantenbullen auf dem Weg zurück zur Campsite. Für uns war das sehr erstaunlich, da nach unserer bisherigen Kenntnis Elefanten im Zentrum des CKGR selten sind. Am Rand haben wir sie einige Male gesehen, aber, derart tief drin bisher nicht.

Wir blieben dran

Dranzubleiben ist das Geheimnis im Busch. Was auch immer passiert: mach weiter und such dein Glück. Es ist kein Zoo. Wie wir immer sagen: You never know what you get, und das ist gut so. Treue Leser unseres Blogs kennen den Ausspruch und unsere Haltung dazu. Am Nachmittag des zweiten Tages war es dann so weit: unvermittelt sass ein Gepard unter einer Akazie und schaute uns an. Wir konnten unser Glück kaum fassen, hielten an und genossen das Zusammentreffen mit dieser wunderschönen Raubkatze. Nach etwa 20 Minuten neben dem Baum, entschieden wir uns, dem Weg etwas weiter zu folgen und nach etwa 30 Minuten zurückzukommen, um zu sehen, was weiter gesehen würde. Der Gepard schien aus entspannt zu sein und befand sich in einem Ausruhmodus. Wir folgten dem Weg, liessen ihn in Ruhe und kehrten pünktlich um. Als wir in seiner Nähe waren, fuhr Guido etwas ins Feld, um den richtigen Abstand für das Teleobjektiv zu gewinnen, als wir uns klar wurden, dass vor uns zwei Springböcke auftauchten. 

Unsere erste Jagd

Was dann geschah, war für uns faszinierend. Der Gepard hatte sie längst bemerkt und machte sich hinter der Akazie so klein, wie er konnte. Die Springböcke liefen direkt auf uns zu und grasten, ohne ihn zu bemerken. Der Gepard schaute ständig uns an, dann wieder die Springböcke und wieder uns. Guido öffnete sanft die Tür, ohne das Geschehen in einer Weise zu beeinflussen. Als die Springböcke hinter unser Auto kamen, richtete der Kater sich auf, orientierte sich final und lief auf unser Auto zu. Er nutzte uns als Schild und kam mit einer Affengeschwindigkeit um die Ecke geschossen. Erst als die Jagd im Gang war, glitt Guido schnell aus der Tür, richtete sein Objektiv auf die Szenerie und fotografierte vom Grund neben dem Auto. Die Geschwindigkeit aller Beteiligten war unglaublich hoch. Wir waren zutiefst beeindruckt und die Springböcke rannten um ihr Leben. Wie es dazu kam, dass einer der Springböcke viele Pflanzen vor dem Gesicht hatte, konnten wir nicht nachvollziehen, aber es hatte eine gewisse Komik. 

Ein Haken in letzter Sekunde

Wir hielten unseren Atem an, verfolgten das Geschehen mit einem hohen Puls und waren beide vollkommen fasziniert. Wie immer das hier ausging, alle Beteiligten hatten den Sieg verdient. Kurz bevor der Kater den Bock erreicht – es war nicht mehr als eine Beinlänge – schlug dieser den finalen 90° Haken und verschaffte sich damit wieder einen Vorsprung von etwa 3-4 Metern. Das reichte am Ende aus, um den Gepard zu besiegen. Was für ein eindrückliches Ergebnis. Wir hätten auf den Gepard gesetzt, denn alles sprach für ihn. 

Er selbst vermittelte uns das Gefühl, nicht zu verstehen, warum er so knapp gescheitert war. Er schaute uns an, kam auf uns zu, ging zu einem nahestehenden Baum und ruhte dann. Wir liessen ihn alleine und in Ruhe, denn Geparden sind nach der Jagd vollkommen ausgepowert und müssen sich regenerieren. Er ging mit uns um, als wären wir Teil des Habitats. Ehrlich gesagt waren wir völlig aus dem Häuschen, denn das war unsere erste Jagd, seit wir Afrika bereisen. Eventuell zeigt das, wie selten man Zeuge eins solchen Events wird. Wir waren vollkommen alleine, ohne andere Menschen, und dazu noch involviert. Nach er kürzlich erlebten Elefantengeburt war das unser Highlight Nummer 2.

Unsere Rückkehr ins Deception Valley und eine weitere Überraschung

Am nächsten Morgen war der Gepard nicht mehr zu sehen und auch ansonsten war es sehr ruhig. Das Wasserloch war nun vollständig ausgetrocknet – die Pumpe war defekt. Wir machten uns auf den Weg zurück ins Deception Valley und waren gespannt, was uns auf der Fahrt erwarten würde. Es hatte glücklicherweise für zwei Tage nicht geregnet. Tatsächlich waren fast alle Bereiche, die auf der Hinfahrt noch Seen-ähnlichen Charakter aufwiesen, vollständig abgetrocknet und so war die Fahrt zurück ein Kinderspiel und ging ohne jedwede Probleme vonstatten. Am Nachmittag des für uns letzten Tages im CKGR entdeckten wir im Deception Valley noch eine Gepardin unter einer Akazie. Diese war leider über die gesamte Beobachtungsdauer von etwa 90 Minuten faul und relaxte ohne Anstalten zu machen sich zu bewegen. Unser Besuch im CKGR 2022 war eher ruhig, hielt aber dann doch plötzlich ein Highlight für uns bereit. We love it 🙂

Als Nächstes fahren wir in die Khwai Region. Wir sind ganz gespannt, was diese Region Botswanas für uns bereithält.

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