4 Länder Tour – BW, Nxai Pan

Nach unserer Rückkehr aus Khwai nutzten wir die nächsten Tage in Maun um unsere Vorräte aufzustocken und eine Buchung für Nxai Pan unter Dach und Fach zu bringen. Die Kommunikation mit Xomae, der verwaltenden Gesellschaft,  erwies sich als äusserst zäh – glücklicherweise gelang es uns, unsere unbezahlte Buchungsanfrage für das South Camp in Nxai Pan aufrechtzuerhalten und vor Ort am Gate zu bezahlen. Wir ergatterten drei Nächte, wobei wir die ersten zwei Tage auf Campsite 4 übernachteten und danach auf Campsite 2 umziehen mussten. 

Elefanten Autobahn im South Camp

Wir kannten den Park bereits von 2019 und wussten, dass die Anfahrt einigermassen mühsam sein würde. Es kam wie erwartet und wir spulten unsere Kilometer zum Camp in ca. 30 Minuten auf schlechter Piste, teils sehr tiefsandig ab. 10 Minuten nach erfolgreicher Anmeldung standen wir auf Campsite 4 und bauten unser Camp auf. Die Besonderheit in Nxai Pans South Camp besteht darin, dass jeweils ausserhalb der Campsite zwei Wasserlöcher verfügbar sind. Diese werden besonders häufig und gerne von den diversen Elefantenbullen genutzt. Um von einem zum anderen Loch zu laufen, hat sich ein Trampelpfad quer durch die Campsite etabliert. Sehr gerne nutzen die Bullen auch die grossen Bäume, um während der Hitze des Tages im Schatten zu stehen. 

Sie akzeptieren die Menschen und stören sich nicht gross an ihnen, wenn diese sie mit Respekt behandeln. Campsite 4 liegt genau an einem der beiden Ausgänge, durch die Elefanten sich bewegen. Das bedeutete, dass wir während des Tages von Elefantenbullen umgeben waren. Sie zogen meist 1–2 Meter an uns vorbei. Es hat uns nicht sehr gestört, wobei es zu einem späteren Zeitpunkt Überhand nahm – wir kommen noch darauf zurück. 

Ein Wasserloch 

Wie wir am nächsten Morgen herausfanden, war lediglich ein Wasserloch aktiv. Wir hatten es gegen 07.15 Uhr verlassen, um eine Runde um die Pan zu drehen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass es das einzig verfügbare Wasser in der Pfanne sein sollte. Wir verliessen es, da es nicht viele Tiere gab und wir lieber erkunden als herumstehen. Tatsächlich waren die Pfannenränder und die Mitte wie ausgestorben. Vereinzelt zeigte sich eine kleine Gruppe Springböcke – ansonsten war es sehr ruhig.

Am Nachmittag fuhren wir wieder zum Wasserloch und machten zwei Entdeckungen. Zum einen sahen wir ein Löwenpärchen im Gras liegen und zum anderen hatte sich eine grosse Gruppe Büffel dem Wasserloch genähert. Die ständig anwesenden Elefanten in Kombination mit den etwa 150–250 Büffeln, sorgten dafür, dass das Wasserloch sich innerhalb kürzester Zeit in ein Schlammloch verwandelte. Die diversen Antilopen und Zebras hatten ihre grosse Mühe, noch frisches Wasser zu finden. Im Laufe des Nachmittags ergaben sich skurrile Szenarien. Auf der einen Seite des Wasserlochs lag der Löwe und schaute seinen beliebten Beutetieren auf der anderen Seite zu. Wir hielten es für nahezu ausgeschlossen, dass ein Junglöwe und eine Löwin einen Büffel erlegen könnten.

Ca. eine halbe Stunde vor dem Sonnenuntergang fuhren wir zurück ins Camp.

Timing ist alles (nicht nur in Nxai Pan)

Als einige andere Camper ca. eine Stunde nach uns ins Camp zurückkehrten, erfuhren wir, dass die beiden Löwen ca. 15 Minuten nach unserer Abfahrt eine Attacke starteten. Sie hingen zu zweit an einem Büffel, rangen diesen nieder und wähnten sich am Ziel, als die Herde zurückkam und den Büffel rettete. Bei Guido stieg der Blutdruck. Das durfte doch nicht wahr sein – war es aber.

Zugegebenermassen frustriert gingen wir ins Bett. Eine weitere Hiobsbotschaft erreichte uns – die Pumpe am einzigen Wasserloch war bereits vor zwei Tagen ausgefallen. Das erklärte, die stetige Zunahme an Elefanten bei uns im Camp, inklusive kleiner Breeding Herds mit Jungtieren. Zudem war uns auch klar, warum das Wasserloch so dramatisch verschlammte. Trotz horrender Übernachtungs- und Eintrittskosten sah sich niemand wirklich zuständig, um diesen Missstand zu beheben und den Tieren Wasser zugänglich zu machen.

Am nächsten Morgen waren wir beim Morgengrauen auf dem Weg und erreichten das Wasserloch als Erste. Auf dem Weg dorthin begegnete uns in einiger Entfernung eine braune Hyäne, was uns sehr freute. Als wir am Wasserloch ankamen, waren die Büffel wieder da und beherrschten die Szenerie. Sie zogen sich langsam in den Busch zurück – einer nach dem anderen. Als fast die ganze Herde das Wasserloch verlassen hatte, fiel Guido ein Büffel auf, der lahmte. Danach kam ein weiterer, der schwer verletzt war und auf drei Beinen hinkte. Das war ohne jeden Zweifel das Opfer vom Vorabend. Uns war sofort klar, dass dieser Morgen mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nicht langweilig verlaufen würde.

Wir folgten den Büffeln und der Schwerverletzte rief ohne Unterbrechung, wurde jedoch vollständig ignoriert. Er fiel immer weiter zurück und folgte seiner Herde bestmöglich. 

Die Löwen sind da

Als wir im Schritttempo folgten, scannten wir stetig die Umgebung, als wir plötzlich die beiden Löwen entspannt unter einem Busch liegen sahen. Es dauerte einen Moment, aber dann ging alles schnell. Sie bemerkten ihr Opfer vom Vorabend und erkannten umgehend  ihre Chance. Innerhalb von Sekunden waren sie auf dem Weg und stellten den Büffel – zu unserem Pech geschah dies im Dickicht. Wir ahnten, wohin sich die Drei bewegen würden, und Guido fuhr adrenalingetrieben und konzentriert – zu einer Stelle, wo sie besser zu sehen sein müssten. 

Zwischendurch sahen wir, wie der Büffel sich drehte und angriff, wieder zurückzog und mehr oder weniger versuchte zu überleben. Wir kamen an der Stelle an und beobachteten, wie die beiden Löwen ihn niederrangen und der männliche Löwe zum Todesbiss ansetzte. Es war aus menschlicher Sicht eine zugegeben brutale Angelegenheit. Tatsächlich haben zwei Tiere lediglich dafür gesorgt, dass sie nicht verhungern. Sie hatten es verdient. Die Leistung am Vorabend muss sehr gewaltig gewesen sein. Das Erlebnis am Morgen war lediglich eine Konsequenz. 

Nachdenklichkeit und unsere Abfahrt

Wir waren beide, nachdem wir die Löwen mit ihrer Beute alleine liessen, lange Zeit sehr ruhig. Die Stimmung war etwas bedrückt. Das war unser erster vollendeter Live-Kill, den wir miterlebt hatten. Die erste Afrikareise fand vor 18 Jahren statt. Das zeigt, wie selten diese Ereignisse doch sind. Jagden hatten wir mehrere erlebt, aber bislang endeten alle erfolglos. Wir fuhren zurück ins Camp, machten noch einen Kaffee und packten unsere Siebensachen. Timing ist alles. So wie wir am Vorabend die Attacke versäumt hatten, weil das Timing nicht stimmte, so war am Morgen alles perfekt und wir hatten das Glück, diese vollendete Jagd ganz alleine erleben zu dürfen. Das  Ereignis hatte auch keinen Rummel verdient. Wir hätten es als respektlos erachtet, wenn zig Autos um die besten Plätze gebuhlt hätten, während ein Tier um sein Leben kämpft und es am Ende verliert.

Die Emotionen waren für uns neu und wir haben sie vollumfänglich zugelassen. Interessant ist die Diskrepanz zwischen dem vollen Verständnis im Gehirn und der dennoch vorhandenen Empathie mit dem Beutetier und dem damit verbundenen Kloss im Magen. Wir verliessen den Park und hatten als nächstes Ziel die Chobe River Front im Visier. Leider war es uns nicht gelungen, einen anderen Park zu buchen. Das DWNP-Büro (Department of Wildlife & National Parks) in Maun raunte uns nur zu, dass sie nicht zuständig seien und wir uns an das Büro in Gaborone, der Hauptstadt Botswanas, wenden müssten, als wir versuchten, noch einige Nächte in der Zentral-Kalahari zu ergattern. Das ist der Grund, warum wir das Land so gerne in der Regenzeit besucht haben. Es ist leer, man bucht Plätze einfach vor Ort, alles ist grün und die Tiere haben Nachwuchs. Dafür sitzt man eventuell einmal fest und hat mit dem ekligen Black Cotton Soil zu kämpfen, einem glitschigen «Klebematsch», der wie Schmierseife wird. Das gilt aber eben erst ab Dezember. Mit derlei «hilfsbereiten» Mitarbeitern, die sich nicht mal imstande sehen, ihre Kollegen anzurufen, um zahlenden Kunden zu helfen, gelingen auch keine Buchungen. This is Africa.

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