Unser erstes Ziel in Simbabwe war der Hwange-Nationalpark. Wir starten dort besonders gerne mit dem schnellen und unkomplizierten Grenzübertritt in Pandamatenga. Die Fahrt von Kasane dauert etwas mehr als eine Stunde. Diesmal brauchten wir für beide Grenzseiten zusammen nur knapp über 25 Minuten. Guido hatte alle Unterlagen vorbereitet und uns online für das eVisa registriert – die Abwicklung verlief dadurch schnell und reibungslos. Anschliessend folgten wir der Dirt Road etwa 45 Minuten, bevor wir den Park über das Robins Camp erreichten.
Das Robins Camp nimmt im Hwange NP (Hwange-Nationalpark) eine Sonderstellung ein. Es handelt sich um ein Privatcamp, das trotzdem über eine Zimparks-Rezeption verfügt. Hier können parkweite Buchungen vorgenommen werden. Da Zimparks nicht an den Einnahmen des Camps beteiligt ist, werden für die Aufenthaltstage in Robins die Parkeintrittsgebühren entsprechend erhöht. This is Africa. Wir buchten das Camp für drei Nächte. Unser Plan war, in dieser Zeit herauszufinden, welche Picnic Spots in den folgenden Nächten noch verfügbar waren.
Das Buchungssystem im Hwange NP
Für Camper gibt es insgesamt drei große Camps, in denen man übernachten kann: Robins Camp, Sinamatella und das Main Camp (am Haupteingang). Daneben existieren sogenannte Picnic Spots, die tagsüber als Rastplätze dienen. Zimparks vermietet diese – jeweils von einem Warden betreuten – Spots zwischen 18:00 und 06:00 Uhr exklusiv als Campingplätze. Für 200 USD pro Nacht können sie von einer Gruppe von bis zu sechs Personen zur Alleinnutzung gebucht werden. Da wir zu zweit reisen und uns diese Summe zu hoch ist, setzen wir meist auf die sogenannten Walk-in-Rates: Man zahlt die Hälfte, kann aber nicht vorbuchen – man nimmt, was gerade frei ist.
Das wirklich Schöne an diesen Picnic Spots ist ihre Lage mitten im Busch. Abgesehen von eher symbolischen „Alibi“-Zäunen (die kein Tier aufhalten), gibt es keine Abgrenzung zur Wildnis. Man ist einfach mittendrin – genau unser Ding. Sehr begehrte Plätze wie Kennedy, Ngweshla oder Masuma Dam (ein großer, vollständig eingezäunter Hide) sind fast nur mit Vorbuchung zu bekommen. Glücklicherweise gibt es aber auch Alternativen wie Deteema Dam oder Shumba, die uns ebenfalls sehr gut gefallen. Wir waren gespannt, was das Büro uns letztlich anbieten würde.
Die Löwen sind los
Nachdem wir uns eingerichtet hatten, starteten wir zu unserem ersten Game Drive. Eigentlich wollten wir nur einen kurzen, gemütlichen Abstecher zum Little Tom’s Wasserloch machen und dann zurückkehren. Daraus wurde nichts. Schon wenige Kilometer nach Verlassen des Robins Camp entdeckten wir ein Löwenrudel im Gebüsch direkt neben der Strasse – es machte sich gerade über einen Elefanten her. Wie wir später erfuhren, hatte das achtköpfige Rudel in der Nacht vor unserer Ankunft einen halbstarken Elefanten erlegt. Die acht Löwen wirkten ausgehungert.
Obwohl es kein ausgewachsener Bulle war, war der Grossteil des Kadavers nach nicht einmal 24 Stunden bereits vertilgt! Das Rudel bewachte den Rest wie einen Schatz und blieb ständig in der Nähe. Hyänen wurden sofort verjagt, und auch die in den umliegenden Bäumen wartenden Geier hatten keine Chance, auch nur ein Stück zu ergattern. Eine derart intensive Sichtung hatten wir noch nie erlebt – vor allem die extreme Fressgeschwindigkeit hat uns sehr beeindruckt.












Noch mehr Löwen
Ein weiterer Game Drive, der uns schliesslich doch zu Little Tom’s führte, entpuppte sich ebenfalls als Volltreffer. Dort erwartete uns eine Koalition aus zwei prächtigen Mähnenlöwen zusammen mit einer Löwin und drei Jungtieren. Am letzten Tag vor unserer Abreise aus Robins rundete ein Ausflug zum Deteema Dam unser Löwenglück ab: In einiger Entfernung zum Picnic Spot lag ein Mähnenlöwe im Schatten, während zwei Löwinnen mit Jungen umherzogen. Langsam bekamen wir den Eindruck, dass Hwange in dieser Saison ziemlich löwenlastig sein könnte.










Zurück im Camp trafen wir unerwartet zwei Niederländer wieder, die wir schon aus dem South Camp in Nxai Pan kannten. Sie hatten Buchungen für Deteema und Masuma Dam und boten an, diese Nächte mit uns zu teilen. Wir einigten uns darauf, am nächsten Tag nach Sinamatella zu fahren, dort die Aussicht zu geniessen und dann je eine Nacht in Deteema und Masuma Dam gemeinsam zu verbringen. Von Zimparks gab es nur Shumba als attraktives Angebot – aber da wir noch nie in Masuma Dam übernachtet hatten, wollten wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Die Elefanten sind los
Der Transfer nach Sinamatella war alles andere als langweilig. Die Wege durch den Park waren in sehr schlechtem Zustand: Felsstufen, Schräglagen, steile Anstiege und tiefer Sand gehörten zum Alltag. Wir erreichten das Camp ohne Zwischenfälle und genossen die grandiose Aussicht. Der Weitblick von diesem auf einem Hügel gelegenen Camp ist im gesamten Hwange NP einzigartig.
Abgesehen von kleineren Elefantengruppen, die abseits der Pisten unter Bäumen standen, war wenig los – daher verzichteten wir auf Game Drives und entspannten einfach in Sinamatella. Die erste Nacht waren wir fast allein, am darauffolgenden Nachmittag wurde es deutlich voller. Zufrieden brachen wir am nächsten Morgen Richtung Deteema Dam auf.
Das niederländische Paar empfing uns herzlich. Wir suchten uns unseren Platz auf dem zweigeteilten Picnic Spot (ein Bereich für Camper, einer für Tagesbesucher). Tagsüber kamen einige Roan-Antilopen zum Damm. Am Abend, als wir allein waren, zog eine große Elefantenherde ans Wasser und um unser Camp herum. Die Dickhäuter kamen bis direkt an den Zaun, respektierten diese eher imaginäre Grenze aber jederzeit. Sie tolerierten unsere Anwesenheit, während wir ihre Gesellschaft sichtlich genossen. Elefanten strahlen eine immense Ruhe aus und schenken uns beiden immer wieder tiefes inneres Glück. Davon können wir nie genug bekommen und sind jedes Mal unendlich dankbar. So war es auch diesmal. Am nächsten Morgen packten wir gemütlich zusammen und fuhren weiter zum bekanntesten und beliebtesten Picnic Spot im Park: Masuma Dam.







Elefanten in Masuma Dam
Masuma Dam liegt zentral im Park und wird von der Hauptstraße durchquert, die beide Teile verbindet – entsprechend hoch ist der Tagesbesucherandrang. Das Camp liegt erhöht und bietet einen gut frequentierten Hide zur Beobachtung. Etwas zurückversetzt gibt es Ablution-Blöcke mit Duschen und Toiletten sowie den Bereich für die übernachtenden Camper. Von 6:00 bis 18:00 Uhr ist man hier nie allein. Sobald die Tore jedoch geschlossen sind, kehrt Ruhe ein – und genau dann können die Übernachtungsgäste die tierischen Aktivitäten am Wasser in vollen Zügen geniessen.
Wir hatten Glück: Eine kleinere Büffelherde und – wie sollte es anders sein – mehrere Elefantenherden kamen ans Wasser. Die badenden, rangelnden und trinkenden Dickhäuter boten wieder einmal ein faszinierendes, kurzweiliges Schauspiel. Am nächsten Morgen gesellten sich noch einige Löwen dazu – so endete unser Hwange-Abenteuer genau so, wie es begonnen hatte. Glücklich und zufrieden fuhren wir zum Main Camp und verliessen von dort den Park. Über die – mit Abstand – schlechteste Straße Simbabwes ging es nach Bulawayo. Dort machten wir Rast, stockten die Vorräte auf und starteten Richtung nächstes Ziel: das Warthogs Bush Camp am Lake Kariba.





















