Twee Rivieren and Nossob

06/20/2022

Auf der Fahrt von Mata Mata nach Twee Rivieren lief uns ein Leopard vors Auto und nutzte die Strasse als Weg. Er bevorzugte die Schotterstrasse als Laufweg und lief für mehrere Minuten gemütlich vor uns her, bevor er sich wieder ins Gras verdrückte. Das war noch einmal ein willkommenes Highlight. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass dies unsere letzte Katzensichtung sein sollte.

Tatsächlich haben wir weder in den vier Nächten in Twee Rivieren, noch in den darauffolgenden vier Nächten in Nossob auch nur noch den Hauch von Katzen gesehen. Langweilig wurde es uns dennoch nicht – versprochen.

Flaute in Twee Rivieren

Der Aufenthalt in Twee Rivieren verlief so unspektakulär wie er nur konnte. Die Campsite war voll und laut und die Umgebung war dermassen leer, dass sich uns ausser einigen Antilopen gar nichts zeigen wollte. Nicht einmal Vögel waren in der Nähe – sieht man von einer wunderbaren Eule ab. Diese hatte ihren Stammbaum und sie konnten wir immer wieder besuchen und ihr unser Leid klagen. 😉

Hohes Gras wohin das Auge blickt 

Unsere ganze Hoffnung ruhte nun auf unserem Aufenthalt in Nossob. Die Fahrt dahin war geprägt von staubigen Strassen und unglaublich grüner Umgebung. Selbst mit dem Land Cruiser und der erhöhten Sitzposition war es uns stellenweise nicht möglich, über das Gras in die Ebenen zu schauen. In Kgalagadi kommen hier zwei Faktoren zusammen: 1. wird die Strasse beim ebnen des Wellblechs immer wieder ein Stück abgetragen, so das sie sich langsam aber sicher senkt und 2. war da das sehr hohe Gras. Es waren sehr harte Zeiten für Besucher mit Limousinen oder SUVs.   

Zügelstress in Nossob

In Nossob angekommen, richteten wir es uns auf der regulären Campsite ein. Das Buchungssystem offerierte uns seinerzeit die Buchung von der einfachen Campsite an zwei Tagen und einer Premium-Campsite an den anderen beiden Tagen. Diese unterscheidet sich daduch, dass sie nahezu das Doppelte kostet, dafür aber einen isolierten Stellplatz mit eigener Dusche/WC und einem eigenen Spülbereich bietet. Wir mussten nun täglich umziehen. Die Dame an der Rezeption bot uns an die vollen vier Nächte auf der normalen Campsite zu verbringen, damit wir nicht umziehen müssen. Die Mehrkosten bekommt man bei einem Downgrade allerdings nicht erstattet. Wir lehnten dankend ab, da wir keinen Trailer besitzen und demnach kein festes Camp aufbauen müssen. 

Sympathische Nachbarn

Wir suchten uns eine schattige Campsite am Rand und hatten sehr viel Glück, denn kurze Zeit später bekamen wir Nachbarn. Wir machen es kurz: Roland und Erika waren ein absoluter Glücksfall. Die Beiden waren sehr sympathisch und wir verstanden uns so gut, dass wir die kommenden Abende immer gemeinsam verbrachten. Wir hatten eine sehr, sehr gute Zeit mit ihnen und wir freuen uns schon darauf, sie Anfang 2023 in der Nähe des Krüger NP wiederzusehen. Am späten Nachmittag des ersten Tages  geschah dann etwas, das wir zu keiner Zeit erwartet hätten.

Unser Hubdach kracht zusammen

Guido wollte frohen Mutes das Hubdach einziehen um auf den Nachmittags-Gamedrive zu fahren, als es ihm plötzlich und unerwartet auf den Kopf fiel. Die Leichtigkeit, mit der es sich senkte war nicht normal und alle Alarmglocken in Guidos Kopf schrillten. Der Versuch, es wieder aufzurichten schlug fehl. An einer Seite war der Gasdruckdämpfer, der das Dach anhebt und in Position hält, nicht mehr mit dem Dach verbunden. Nach einer kurzen Analyse war klar, dass die Schraube, die den Dämpfer mit dem Dach verbindet, am Dämpfer abgerissen war. Wie konnte das passieren? Das Auto ist erst wenige Wochen in Nutzung und die Kabine ist neu – Materialverschleiss durch Alter ist auszuschliessen. Wir hatten das Glück, dass wir zuvor zwei Paare getroffen hatten, wo einer der Männer ebenfalls im Land Cruiser Club Southern Africa Mitglied ist. Sie waren extrem hilfsbereit und wollten mit uns eine Lösung schaffen.

Hilfe naht

Der Mechaniker in Nossob unterstützte uns, indem er die Schraube wieder anschweisste. Die Qualität war nicht sonderlich gut aber alle waren der Ansicht, dass es einige Tage halten sollte. Mit vereinten Kräften und dem Gebrauch einer Ratsche konnten wir den Dämpfer wieder am Dach montieren und die Konstruktion erfüllte (vorübergehend) ihren Dienst. Wir entlasteten das Dach durch den zusätzlichen Einsatz von 2 Stangen, die wir für unsere Markise mitführen um diese bei starkem Wind zu fixieren. Mit einem mulmigen Gefühl schliefen wir die erste Nacht in der Konstruktion. Guido war nicht nur erbost, sondern auch traurig über die vom Hersteller abgelieferte Arbeit. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn das Dach in der Nacht zusammengebrochen wäre, während wir im Bett gelegen hätten. 

Auf der Suche nach Katzen

Wir arrangierten uns mit dem Gedanken, die kommenden Nächte mit der Unterstützung der Stangen zu schlafen, und erkundeten wie gewohnt die Umgebung. Täglich fuhren wir etwa 70 km in den Norden, vorbei an Polentswa auf botswanischer Seite, und doch blieben die Katzen verschwunden. Wir sahen dagegen eine nennenswerte Zahl an Raubvögeln, die sich paarweise mit dem Nestbau beschäftigten. Darunter zwei Martial Eagle und ein Bateleur-Paar. Das waren phantastische Sichtungen.

Am letzten Abend, wir wollten noch einmal auf der Premium-Campsite übernachten, geschah es dann noch einmal: Beim Aufbau des Bettes brach die Schraube erneut – dieses Mal an der (schlechten) Schweissnaht – und wir gerieten leicht in Panik. 

HALTEN DIE STANGEN?

Die Nacht versprach etwa -2° C und die Rezeption war längst geschlossen. Guido bat Roland, uns evtl. noch zwei Stangen zur Stabilisierung des Daches zu leihen und dieser gab ihm sogar galvanisierte Stangen mit. Guido stütze dann das Dach mit 4 Stangen und stellte zur Sicherheit noch zwei Stauboxen hochkant ans Heck, so dass wir (theoretisch) bestmöglich bei einem Crash geschützt waren. Die Nacht war windig und unruhig und wir waren froh, am nächsten Morgen gegen 5.00 Uhr die Augen zu öffnen und alles im intakten Zustand vorzufinden. Unseren Kaffee und Tee tranken wir dann im grossen Badezimmer, da wir das Bett nicht ans Dach hängen konnten und verliessen früh das Camp in Richtung Parkausgang.

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